Siebenbürger Nachbarschaft und Volkstanzgruppe Wels

 

Kindertanzgruppe „Vergissmeinnicht“ aus Bistritz besuchte Wels

Auf Einladung der Siebenbürger Nachbarschaft und Volkstanzgruppe Wels zusammen mit der Stadt Wels waren 24 Schüler aus der Partnerstadt Bistritz für vier Tage in Wels zu Gast. Die Kinder im Alter von 10-12 Jahren besuchen das „Colegiul National »Liviu Rebreanu«, Bistriţa“, das größte Gymnasiums ihrer Heimatstadt, und verzauberten als Kindervolkstanzgruppe „Vergissmeinnicht“ das Publikum beim 30. Welser Kronenfest und bei einem siebenbürgisch-sächsischen Volkstanzabend im Welser  Burggarten.

Die Stadt Wels war im September 2014 eine Städtepartnerschaft mit Bistritz in Nordsiebenbürgen eingegangen. Anlass dafür war unter anderem, dass es sich damals zum 70. Mal jährte, dass Flüchtlinge der deutschsprachigen Bevölkerungsminderheit der Siebenbürger Sachsen ihre Heimat in und um Bistritz verlassen und nach ihrer Flucht in Oberösterreich und hier vor allem auch in Wels, der späteren Patenstadt der Heimatvertriebenen, eine neue Heimat gefunden hatten.

Der Bundesverband der Siebenbürger Sachsen in Österreich hatte die Städtepartnerschaftsfeier in Wels damals auch mit einem entsprechenden Gedenktag verknüpft, in der Stadt Bistritz hatte zwei Wochen davor ebenfalls eine Gedenk- und Partnerschaftsfeier stattgefunden, bei der auch ein Denkmal zur Erinnerung an die Flucht im Herbst 1944 enthüllt worden war.

Die Volkstanzgruppe der Siebenbürger Sachsen in Wels durfte die Partnerschaftsfeier im Welser Minoritenfestsaal im September 2014 mit einem Tanzauftritt mitgestalten und wurde prompt für das Frühjahr 2015 zur Mitwirkung am Folkloreprogramm des Bistritzer Ostermarktes eingeladen. Eine Einladung, die sie gerne annahm und in der Folge drei wunderschöne Tage als Gäste in Bistritz verbrachte.

Anlässlich ihres 30. Kronenfests der Siebenbürger Sachsen in Wels konnten nun die Siebenbürger Nachbarschaft und Volkstanzgruppe Wels zusammen und in Absprache mit Bürgermeister Dr. Andreas Rabl eine Gegeneinladung an die Kindertanzgruppe „Vergissmeinnicht“ des Bistritzer Gymnasiums „Colegiul National »Liviu Rebreanu«, Bistriţa“ zu einem Besuch in der Partnerstadt Wels vom 24. bis 27. Juni aussprechen – auf Vermittlung der „Heimatortsgemeinschaft (HOG) Bistritz-Nösen“, des Vereins der ehemaligen Bistritzer in Deutschland und Österreich, der zusammen mit dem Bistritzer Kulturamt die Fahrt der Kinder auch maßgeblich mit unterstützte.

Das „Colegiul National »Liviu Rebreanu«, Bistriţa“ (CNLR) wird von rund 1.500 Schülern besucht und gehört zu den größten und angesehensten Oberschulen des Landes. Hervorgegangen aus dem traditionsreichen siebenbürgisch-sächsischen „Evangelisch-Lutherischen Gymnasium Bistritz“, unterhält es bis heute eine große deutschsprachige Abteilung. Etwa 300 Kinder bekommen hier Fachunterricht in deutscher Sprache bis hin zur Hochschulreife. Die Schule pflegt mehrere Partnerschaften in Deutschland, einige Schüler verfassen eine deutschsprachige Schülerzeitung oder wirken in der siebenbürgisch-sächsischen Jugendvolkstanzgruppe „Regenbogen“ mit.  

Die Kindertanzgruppe „Vergissmeinnicht“ des CNLR wurde 2012 gegründet und besteht aus 30 Schülern im Alter zwischen 10 und 13 Jahren. Sie wird von Izabella Popescu geleitet und war in diesem Frühjahr der unumstrittene Höhepunkt bei den Volkstanzdarbietungen des jährlichen Bistritzer Ostermarktes.

Das Besuchsprogramm der Kinder in Wels begann mit einem bunten Nachmittag mit gemeinsamem Volkstanzen mit der Siebenbürger Volkstanzgruppe im Brauchtumszentrum Herminenhof, wo die Gruppe mit Kuchen, Getränken und Eis herzlich empfangen wurde. Eine Nachtwächterführung erläuterte den Kindern am ersten Abend ihres Aufenthaltes die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Wels und führte sie unter anderem auch auf den Ledererturm, das markante Wahrzeichen der Stadt.

Beim 30. Kronenfest der Siebenbürger Sachsen waren die Kinder neben der „Siebenbürger Kindertanzgruppe Wels“ und der Österreichischen „Landltanzgruppe Grieskirchen“ die Hauptattraktion und zugleich ein Jubiläumsgruß aus der Partnerstadt Bistritz. Sie tanzten sich dabei in die Herzen der zahlreichen Gäste, allen voran der fast vollständig anwesenden Stadtführung unter Bürgermeister Dr. Andreas Rabl, seinen drei Stellvertretern Gerhard Kroiß, Silvia Huber und Christa Raggl-Mühlberger, den Stadträten Margarete Josseck-Herdt, Johann Reindl-Schwaighofer und Peter Lehner, sowie den Altbürgermeistern Dr. Peter Koits und Karl Bregartner, Altvizebürgermeisterin Anna Eisenrauch und weiteren Vertretern aus der Stadt- und Landespolitik. Zudem waren auch der Präsident des Oö. Forum Volkskultur, Kons. Herbert Scheiböck, der Obmann des Oö. Landesverbandes der Heimat- und Trachtenvereine, Kons. Gerhard Steiner, sowie eine Reihe weiterer Ehrengäste, auch aus der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft, angeführt von Bundesobmann Kons. Manfred Schuller, Ehrenobmann Kons. Dr. Fritz Frank, dem Landesobmann des Salzburger Vereines Ing. Roland Meburger, Bundeskulturreferentin Ingrid Schuller und Abordnungen verschiedener Nachbarschaften und der HOG Bistritz-Nösen anwesend und ehrten damit sowohl das 30. Jubiläum des Welser Kronenfestes als auch die Darbietungen der weitgereisten Gäste aus Bistritz.

Ein Besuch im „WELIOS - Mitmachmusem für Naturwissenschaft und Technik“, einem der beliebtesten Ausflugsziele für Kinder im Großraum Wels, bildete anschließend den willkommenen Kontrapunkt zum Volkstanzauftritt beim Kronenfest. 

Öffentlicher Höhepunkt des Besuchsprogrammes war am Montag, 26. Juni ein „Siebenbürgisch-sächsischer Volkstanzabend“ mit dem Motto „Volkstanzen für die Städtepartnerschaft“ unter freiem Himmel im sommerlichen Welser Burggarten, bei dem die Kinder dem interessierten Publikum einen weiteren tänzerischen Gruß aus Bistritz überbrachten. Abwechselnd mit der „Kinder- und Volkstanzgruppe der Siebenbürger Sachsen in Wels“ bestritten sie dabei ein rund 75-minütiges Tanzprogramm, dessen Höhepunkt ein von insgesamt 24 Tanzpaaren aus Wels und Bistritz gemeinsam getanztes Tampet bildete. Das abschließende Gruppenbild verdeutlichte eindrucksvoll die neu geknüpften Freundschaften dieser Tage und die partnerschaftliche Verbundenheit der Akteure des Abends.

Am Nachmittag davor hatte die Gäste ein Ausflug zur Oö Landesgartenschau im nahe gelegenen Kremsmünster geführt, wo die Kinder nach einer Führung durch das Benediktinerkloster auch einen Besuch im stiftseigenen Schwimmbad genießen durften. Davor hatten sie auf Einladung der „Neuen Mittelschule Wels - Mozartstraße“ und ihrer Direktorin Dagmar Föger einen gemeinsamen Vormittag mit gleichaltrigen Schülern in Wels verbracht.  

Besonders davon, von dem gemeinsamen Frühstück mit den Welser Schülern, der Führung durch die Schule und den anschließenden sportlichen Spielen im Turnsaal waren die Kinder begeistert und hoffen nun darauf, dass sie auch weiterhin mit ihren neuen Freunden in Wels in Kontakt bleiben können. Dies versprach Bürgermeister Dr. Rabl bei einem abschließenden Empfang im Rathaus unmittelbar vor der Heimreise der Kinder am Dienstag zurück nach Bistritz zu unterstützen und gab der mitgereisten Schuldirektorin Violeta Griga sowie Teodora Lutsch vom Bistritzer Kulturamt die besten Grüße aus der Partnerstadt Wels mit auf den Heimweg.

Christian Schuster