Mittwoch, 30.05.2018b_363_176_16777215_00_images_bilder_projekte_2018_BJS_2018_Tanz_auf_der_Burg_20180601_172409.jpg

„Tanz auf der Burg“ war das Motto des diesjährigen Bundesjugendseminars im Burgenland mit Treffpunkt Burg Lockenhaus.

Am Mittwochabend ging es endlich los. Aus Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Steiermark und dem Salzkammergut kamen tanzbegeisterte Jugendliche nach Lockenhaus, um die Kultur, den Tanz sowie die Gemütlichkeit der Burgenländer kennen zu lernen.

Nach dem Abendessen läutete Matthias Beck, der Organisator des diesjährigen Seminars und Obmann des Volkstanzverbandes Burgenland, die erste Tanzeinheit ein. Die offizielle Begrüßung erfolgte nach der ersten Tanzrunde. Die Ansprache durch Matthias und den Obmann der ÖTJ Rudi Hackl brachte Aufklärung über die ÖTJ selbst sowie den Ablauf bzw. das Programm der nächsten Tage. Es kristallisierte sich heraus, dass Matthias viele Überraschungen für uns geplant hatte – einige Programmpunkte verriet er uns daher nicht. Außer einem Hinweis: Burgendländer sind sehr gemütliche Leute, was gleich anhand der von ihm ausgewählten Tänze bestätigt wurde. Musikalisch führte uns Jakob Herowitsch, 14 Jahre alt, auf seiner Steirischen durch den Abend. Matthias brachte uns zahlreiche Tänze bei und bemerkte schnell, dass unsere Tanzbegeisterung sehr groß ist und er uns mehr fordern konnte. Mit der versprochenen Mitternachtsjause, bestehend aus Vorarlberger Käse, Speck, Gemüse, Blunzen und Kuchen, wurde der gemütlichen Teil den Abends eingeläutet.Mehr Fotos

Dass sich Ost und West sehr gut verstehen, bemerkte man bei den Musikanten Dominik (Vlbg), Andreas (OstTirol) sowie Matthias (Bgl) sofort. Sie spielten ein Lied ums andere als ob es kein Morgen gäbe.

Der Begriff „ÖTJ-Mama“ ist allen Teilnehmern des Seminars ein Begriff. So war es nur eine Frage der Zeit, wer für dieses Jahr den Ersatz für die originale ÖTJ-Mama Elfriede übernahm. Steffi Stemer wurde bestimmt und erklärte sich auch bereit, diese ehrenvolle Aufgabe zu übernehmen.

Bis tief in die Nacht hinein wurde musiziert, getanzt und mit Gruppenspielen die Bauchmuskulatur gestärkt. Die Gruppendynamik war stimmig und alle hatten das Gefühl sich schon ewig zu kennen.

Donnerstag, 31.05.2018

Pünktlich um 07:45 Uhr erklang der morgendliche Weckruf von Dominik (auf der Steirischen) und Matthias (auf der Gitarre) durch die Burg. In jedem war die Tanzlust geweckt und mit einem Strahlen im Gesicht machten wir uns auf den Weg zum Frühstück.

Um 09:00 Uhr wärmten wir uns mit den bereits erlernten burgenländischen Tänzen auf, sodass wir zur anschließend geplanten Burgführung mit Führer Oga fit waren. Dieser erzählte uns vieles über die Burg und ihre Geschichte aber auch Allgemeines über diese Zeit. Natürlich durften auch Sagen und Mythen der Blutgräfin, die dort angeblich wohnte, nicht fehlen. Oga war so im Erzählfluss, dass er uns zur Enttäuschung von Matthias die Nachmittagsüberraschung verriet.

Allmählich trafen auch die letzten Teilnehmer aus Tirol und dem Salzkammergut ein, somit war unsere Truppe komplett.

Nach Besichtigung des Rittersaals, der Folterkammer und Co brauchten wir wieder eine Stärkung.

Nach dem Mittagessen trafen sich einige im Garten um ihr Können beim „UNO“ unter Beweis zu stellen. Damit auch niemand schummeln konnte, hatte die Ersatz-ÖTJ-Mama Steffi immer einen Blick auf ihre neugewonnen Schützlinge.

Einer der Nachmittagsprogrammpunkte war Singen mit Claudia Pichler. Dazu brachte sie uns einige Lieder aus dem Burgenland und Lieder, die sehr gut zum Burgenland passen, mit. Die Auswahl der Lieder war sehr gut gewählt, denn die Begeisterung fürs Singen stieg deutlich mit jeder Singeinheit an.

Sehr erfreulich für einige war, dass „DJ Ötzi“ ebenfalls der Burg einen Besuch abstattete; Autogramme gab er allerdings keine.

Als „Pausenfüller“ legten wir noch schnell eine weitere Tanzeinheit mit Matthias ein.

Und nach der Obstjause ging es dann endlich zur Nachmittagsüberraschung - den Knappenspielen. Passend gekleidet spazierten wir zum Ort des Geschehens, wo wir wieder auf Oga trafen. In kurzer Zeit erlernten wir, was damals ein Knappe alles können musste: Der Umgang mit Bogen, Speer, Messer, Armbrust, Katapult, Gewichten und Beil, aber auch das Anlegen einer Rüstung und Einrennen einer Tür wurde ausprobiert. Nach der Trainingsphase ging es zum Wettkampf. In drei Gruppen eingeteilt verglichen wir uns beim Bogenschießen, Messerwurf und Speerwurf.

Nach dem Abendessen fand die ersehnte Preisverteilung statt. Es war eine sehr knappe Entscheidung, denn die Gruppen waren nur wenige Punkte auseinander. Den 1. Platz belegte die Gruppe „Kein Plan“, dicht gefolgt von „EDÖG“ und letzte in dieser Runde wurde die Gruppe „Sapes Harem“. Die Enttäuschung der Verlierer war nicht allzu groß, denn alle hatten Riesenspaß bei den Knappenspielen.

Abendprogramm, wie konnte es auch anders sein, war wiederrum Musizieren, Tanzen, Platteln und Gaudi haben.

Die geplante Abendüberraschung von Matthias wurde wegen einer Autopanne auf den nächsten Tag bzw. Abend verschoben.

Freitag, 01.06.2016, der Tag der meisten Überraschungen

Wiederum startete unser Tag mit dem musikalischen Weckruf von Dominik und Matthias. Diesmal wurde auch getanzt. Steffi und Alex legten sich richtig ins Zeug beim Zillertaler Hochzeitsmarsch.

Den Vormittag verbrachten wir mit dem Perfektionieren des Tanzes „Mattersburger Schottisch“ sowie des Plattlers „Ambosspolka“, welche wir am Nachmittag vorführen wollten.

Dominik hatte auch zu tun auf der Steirischen, denn am Nachmittag war Jakob verhindert. Somit durfte Dominik ganz spontan seinen Part als Musikant übernehmen.

Vor dem Mittagessen gaben wir unsere Singkünste im Burghof zum Besten. Dort erklärte sich auch Sieglinde (ein Burggast) dazu bereit, uns mit Claudia zusammen ein Lied mal 2-stimmig zu präsentieren.

Fein rausgeputzt in Tracht und Lederhose trafen wir uns um 13:30 Uhr um gemeinsam nach Rechnitz ins Stiefelmachermuseum zu fahren. Dabei fuhren wir zu aller Verwunderung über einen Pass mit einer Höhe von 883 m. Somit wurden einige eines Besseren belehrt - das Burgenland ist nicht nur flach, sondern hat auch „Erhebungen“ zu bieten.

Im Stiefelmachermuseum angekommen wartete Julius Koch, der letzte Stiefelmacher Österreichs, bereits auf uns. Zuerst hatte Fabian ein großes Anliegen an Julius, denn den gestrigen Abend hatte seine Lederhose nicht überlebt (sie hatte einen kleinen Riss). So wollte er das Können von Julius testen und fragte, ob er nicht seine Lederhose reparieren könne. Die Aufgabe übergab er allerdings seiner Frau. Umgehend wurde ihr die Lederhose zur Reparatur gebracht. Julius erzählte uns mit viel Leidenschaft wie so ein Trachtenstiefel angefertigt wird, wie viel Arbeit dahintersteckt und woher man die Materialien dafür bekommt. Und die Stunden verflogen wie im Nu, jedoch hatte Julius nur Interessantes zu berichten.

Da Julius auch ein leidenschaftlicher Tänzer ist/war, sangen wir ihm als Dankeschön für seinen mitreißenden Vortrag ein Ständchen und gaben auch unser Bestes beim Mattersburger Schottisch und bei der Amosspolka. Nach dieser Vorführung wollte er uns nicht mehr gehen lassen.

Wir mussten uns beeilen und auf dem schnellsten Weg zur Burg zurück, denn nun waren die Gastreferenten aus Ungarn Mira und Norbert Gölcz mit ihrem Ungarischen Tanzworkshop dran. Ob Siebenschritt, Judenpolka, Fingertanz oder Hoppsa Schwabenliesl, die Tänze waren sehr schwungvoll und brachten uns ordentlich ins Schwitzen. Besonderen Anklang fand der Tanz „Grüne Rosen, Rote Rosen“, der immer wieder auf Wunsch der Gruppe getanzt wurde.

Nach dieser anstrengenden Tanzeinheit freute sich jeder auf ein leckeres Abendessen. Somit war die kommende Überraschung für uns der absolute Hit. Es ging in den Rittersaal zum Ritteressen. Ganz authentische und herzhafte Köstlichkeiten wurden aufgetischt und mit Schürze und Fingern bewaffnet ging es ähnlich einer Raubtierfütterung ans Rittermahl.

Eine weitere Überraschung des heutigen Tages ließ nicht lange auf sich warten: Martina, die Frau von Matthias, hatte sich alle Mühe gegeben und brachte uns eine prachtvolle Torte.

Zur Verdauung all dieser Köstlichkeiten schwang man wieder das Tanzbein. Die anderen Gäste im Rittersaal hatten so die Beste Unterhaltung beim Essen.

Mit Schwung ging es schon zur nächsten Überraschung – der Weinverkostung. Hierfür reiste Andreas Schreiner an. Andreas erzählte uns einiges über sein Weingut „Sonnenmulde“ in Gols und seine Weine. Natürlich wurde auch jeder Wein probiert. Damit uns dieser nicht zu Kopfe stieg, legten wird Pausen ein, in denen die ungarischen Tänze wiederholt wurden.

Zur Mitternachtsjause wurde dann die Torte feierlich angeschnitten und konnte endlich gekostet werden. Wieder wurde bis spät in die Nacht hinein getanzt, geplattelt, musiziert und gelacht.

Samstag, 02.06.2018

Wie konnte es auch anders sein, mit dem Zillertaler Hochzeitsmarsch weckten Steffi und Alex unter musikalischer Begleitung von Dominik und Matthias die Seminarteilnehmer und läuteten so die nächste Tanzeinheit ein.

Heute stieß auch Jasmin zu uns. Gleich integriert in die Gruppe ging es fleißig ans Tanzen. Mit dem neuen Musikanten Jürgen Stampfl an Matthias Seite, forderte er uns anständig. Mit Hebefiguren und durchgetanzten Sohlen/Schuhen verbrachten wir den Vormittag und freuten uns sehr über die Mittagspause.

Nach der Mittagspause ausgeruht oder noch voller Enttäuschung (es gab auch Verlierer beim UNO) versammelten wir uns im Burghof um mit Claudia noch ein, zwei Lieder anzustimmen. Die Begeisterung zum Singen bei einigen Liedern konnte man uns richtig anhören. Es wurde sogar kurzer Hand eine Boyband gegründet: „Die Volksstreetboys“ bestehend aus Simon, Fabian und Markus. Keine Tonlage war ihnen zu schwer und sie wussten auch, wie man dem einen oder anderen Lied etwas mehr Pepp verleihen konnte. Claudia hatte auch einige Ideen, wie wir in Bewegung blieben und nicht nur im Sitzen singen konnten.

Der Rest des Nachmittags stand zur freien Verfügung. Ein paar ließen sich die Gelegenheit nicht nehmen, ihre Augenlider zu entspannen, andere wiederum belagerten den Burghof. Dort ging es beim Gesellschaftsspiel „Werwolf“ allerdings nicht sehr erfreulich zu. Einige hatten keine Chance zu überleben, anderen wurde sehr oft Unrecht getan und viele mussten sterben.

Von den Toten auferstanden und in Schale geworfen, konnte der Abschlussabend - das Grande Finale - starten. Als Erstes fand eine kleine stimmungsvolle Andacht mit musikalischer Begleitung durch unser Trio DMA und einer Lesung von Franzi in der Kapelle statt. Anschließend wurde noch fürs Gruppenfoto posiert.

In der Husarenstube warteten bereits die Musikanten des heutigen Abends von Goldmuskartella & Lagrein auf uns. Der Festabend wurde feierlich mit dem Auftanz eröffnet. Riedlingsdorfer Landler, Nickelsdorfer Schottisch, Loipersdorfer Wickler uvm. - alle Tänze, die Matthias uns die letzten Tage beibrachte, konnten wir noch einmal wiederholen. Ebenso probierten wir die verschiedensten Bayrischformen. Die Jungs ließen es sich auch nicht nehmen, den einen oder anderen Plattler vorzuzeigen. An diesem Abend wurde noch so viel gelacht, getanzt und Blödsinn gemacht, dass er noch lange in Erinnerung bleibt.

Zum Abschluss dieses Abends hatte Matthias noch die grandiose Idee, eine Fackelwanderung zum Burgsee zu unternehmen. Nachdem die Husarenstube aufgeräumt, der Müll weggebracht, festes Schuhwerk angezogen, die Fackel angezündet und Proviant und Badehose eingepackt war, machten sich eine Handvoll Leute auf den Weg den Burgsee zu suchen. Es war noch dunkel, aber trotz Fackeln erreichten wir den See leider nicht. Der See wurde sicher geklaut oder hatte sich einen anderen schönen Fleck gesucht, auf jeden Fall war er nicht auffindbar. Damit der Weg retour zur Burg dann auch sicher gefunden wurde, wartete man auf einer Lichtung ab bis es hell wurde.

Da sich langsam aber sicher die Zeit des Seminars zu Ende neigte, es aber noch so viel zu besprechen gab, konnte ein harter Kern nicht schlafen gehen. Sie warteten in gemütlicher Runde bis der Weckruf von Dominik und Matthias erklang.

Sonntag, leider der letzte Tag, 03.06.2018

08:00 Uhr Weckruf durch die Musikanten. Der schwungvolle Zillertaler Hochzeitsmarsch von Steffi und Alex gehörte schon zum festen morgendlichen Programm. Den vorigen Abend leicht spürend ging es mit müden Augen zum Frühstück.

Heute zeigten sich die Spuren der letzten Tage: schwere Beine, verkrampfe Muskeln, Blasen an den Füßen und andere Wehwehchen. Nichts desto trotz wurde noch eine letzte Tageinheit eingelegt und die Tänze der letzten Tage nochmals gefestigt.

Bei der anschließenden Feedbackrunde ließ man die letzten Tage Revue passieren. Die Reaktionen eines Jeden zeigten Matthias und seinem Team, dass sie eine großartige Arbeit geleistet haben. Die Umsetzung des letztjährigen Feedbacks sowie die Lokation, das abwechslungsreiche Programm, die Disziplin jedes Einzelnen und und und - so viele Sachen haben das diesjährige Seminar zu etwas Besonderem gemacht. Steffi merkte an, dass die Organisation bzw. die Programmauswahl sehr wohl eine große Rolle spiele. Ob das Seminar allerdings ein Hit wird, liege immer an den Teilnehmern selbst und was sie daraus machen. Jeder einzelne trägt bei, dass das Seminar zu etwas Einzigartigem wird. Auch Rudi dankte Matthias für die tolle Leistung und auch den Teilnehmern für ihre Disziplin, die Freude am Tanzen und die unendliche Feierlaune. Er fühlt sich immer wieder „jünger“ an solchen Tagen. Mit so viel positivem Feedback hatte Matthias nicht gerechnet und so konnte er vorerst nichts dazu sagen – das Pipi in seinen Augen sprach aber Bände.

Zum Abschluss ging es gemeinsam zum Mittagessen, denn einige brauchten eine Stärkung für die lange Heimfahrt. Zwischen Hauptgang und Nachtisch übermannte uns dann wieder die Singlust. Die Seniorchefin feierte Geburtstag und als Geschenk sang unsere neu-gegründete Boyband einen ihrer besten Hits und die Tänzer schwangen das Tanzbein. Natürlich ließ unser Katastrophentrio DMA (Dominik, Matthias, Andreas) die Gelegenheit auch nicht verstreichen, ein letztes Mal bei diesem Seminar musikalisch aufzutrumpfen.

Leider verging die Zeit viel zu schnell und wir mussten alle die Heimreise antreten. Die Stimmung bei diesem Seminar war unvergesslich, genauso wie die zahlreichen Mückenstiche, die wir ungern mit nach Hause nahmen.

18.06.2018, Stephanie Stemer